Unser Mann in Berlin

Dr. Philipp Rottwilm engagiert sich seit einem Jahr im Deutschen Bundestag für Nordhessen. Wo sieht er die Chancen der Region?

Foto: Anna Voelske

Wahlkrimi im März 2025

„Mit den Erststimmen war es knapp“, erzählt Philipp Rottwilm. „Erst nachts um 1.33 Uhr war dann klar, das BSW schafft es nicht.“ Es folgt eine kurze und aufregende Nacht.

Rottwilm zieht über die Landesliste der SPD in den Deutschen Bundestag ein. „Bereits um 7 Uhr hatte ich mein erstes Radio Interview als Abgeordneter und mittags war ich in Berlin.“

Seit knapp einem Jahr vertritt er die Bürger aus 37 Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis und dem südlichen Teil von Waldeck-Frankenberg: „Von Hatzfeld bis hinter Melsungen bin ich eineinhalb Stunden unterwegs. Größer sollte der Wahlkreis wirklich nicht sein, um nah dran an den Menschen zu sein und zu wissen, wo brauchen sie Hilfe. Denn das ist mir besonders wichtig.“

Philipp Rottwilm wurde 1984 in Lüdinghausen geboren, sein Vater stammt aus Fritzlar, seine Mutter aus Neuental. Das Abitur hat er an der Christophorusschule in Oberurff gemacht. „Unsere Familie lebt seit acht Generationen in der Region. Deshalb ist es mir ein wichtiges Anliegen, mich täglich für die Bürgerinnen und Bürger in Nordhessen einzusetzen.“

Das Potential von Nordhessen

Ich frage ihn, wo er das Potential der Region sieht. Rottwilm hält einen Moment inne: „Wir haben enormes Potential: Eine solide wirtschaftliche Basis und einen innovativen Mittelstand. Zudem eine massiv hohe Lebensqualität, das ist vielen Bürgerinnen und Bürgern während der Corona-Pandemie nochmal viel deutlicher geworden.“

Wir sprechen über den Trend von der Stadt aufs Land zu ziehen: „Der ländliche Raum kann von den sehr hohen Mietpreisen in den Ballungsräumen profitieren. Aber wir brauchen eine entsprechende Infrastruktur, um neue Menschen anzuziehen.“

Rottwilm betont, wie wichtig die zentrale Lage in Deutschland, aber auch Europa ist. „Wir haben einen echten Standortvorteil. Doch um das Potential auszuschöpfen, müssen wir investieren. Es braucht eine nachhaltige Entwicklung der Region.“

Großes Potential sieht er als Bundestagsabgeordneter im Tourismus und erzählt mir von asiatischen Besuchern, die er durch die Region geführt hat. „Sie haben mich gefragt: Wo sind eigentlich die Touristen? Warum besuchen diese nicht die schöne Region mit ihren Fachwerkstädten, dem Edersee und dem Knüllgebirge?“

Foto: Maurice Weiss

Nordhessen als Tourismusregion

Dr. Philipp Rottwilm engagiert sich seit 15 Jahren in politischen Gremien. Sieben Jahre war er Bürgermeister der Gemeinde Neuental. Dort lebt er bis heute mit seiner Frau und den beiden Söhnen.

„Wir müssen uns als Region Nordhessen verstehen, um bundesweit als Tourismusregion bekannt zu werden. Die Grimmheimat macht einen guten Job und vertritt die Region bundesweit als Destination. Doch wir müssen unter anderem auch die Rad- und Wanderwege ausbauen, damit mehr Gäste kommen. Momentan dauert der Ausbau noch zu lang.“

Wir sprechen über die politische Überzeugungsarbeit: „Die Region braucht Top-Wege, aber auf Gastronomie und Unterkünfte, um Radfahrer und Wanderer anzuziehen. Wenn in Berlin z. B. ein Restaurant schließt, öffnen fünf neue. Das ist bei uns ganz anders. Wenn bei uns ein Landgasthof zumacht, ist er zu. Deshalb müssen wir uns für die Betriebsnachfolgen einsetzen.“

Philipp Rottwilm hat selbst einmal im Tourismus gearbeitet. 2004 war er Mitarbeiter im Holiday Inn in London. Nach dem Studium hat er in Oxford und als Berater gearbeitet. „Ich glaube, dass neben Documenta und Edersee noch mehr geht für Nordhessen – wir haben so viel zu bieten. Dieses Potential möchte ich fördern.“

Große Unsicherheit bei den Bewohnern

Doch neben dem großen Potential spürt Rottwilm zwei Unsicherheiten bei den Bürgern. „Da ist die Frage der wirtschaftlichen Unsicherheit: Etliche Menschen fragen sich, behalte ich meinen Arbeitsplatz, kann ich meinen Lebensstandard halten? Deswegen ist die Prio 1 für uns dieses Jahr: Die Wirtschaft muss laufen! Deshalb mache ich mich z. B. auch für E-Mobilität stark – das betrifft auch den VW-Standort in Baunatal.“

Die zweite Unsicherheit ist die geopolitischen Verwerfungen: „Vereinfacht ausgedrückt: Die USA sorgt nicht mehr für unsere Sicherheit, China kauft weniger unserer Autos und wir beziehen kein günstiges Gas mehr aus Russland. Die Antwort ist Europa – wir müssen souveräner werden und Deutschland muss hier die Führungsrolle einnehmen.“

Rottwilm betont außerdem, wie wichtig die Verteidigungspolitik geworden ist: „Wir haben sehr starke Bundeswehrstandorte in der Region. Zudem auch Industrie und Zulieferer. Der Verteidigungssektor hat eine lange Historie in Nordhessen. Gleichzeitig sehe ich großes Potential in Forschung und Entwicklung.“

Zum Schluss unseres Gesprächs frage ich ihn, wo er die Herausforderungen der Region sieht, die er in der politischen Arbeit thematisieren will? „Zu meinen Aufgaben gehört die Frage: Wie kriegen wir Mittel in die Region? Durch das 500 Milliarden-Sondervermögen haben wir aktuell sehr viel Geld in der Hand. Es ist nun wichtig, dass dies schnell bei den Kommunen ankommt und in Projekte mündet.“

Foto: Anna Voelske

Es muss nicht alles nach Bayern gehen

Rottwilm macht eine kurze Pause, dann sagt er: „Politik ist auch Verteilungswettkampf: Es muss nicht alles nach Bayern gehen. Unsere Aufgabe sehe ich auch darin, dass Geld in die Region kommt.“ Und das gelingt. Er berichtet von Melsungen: „Die Kommune hat zuletzt große Förderung für Städteförderung, sozialen Wohnungsbau und die Innenstadt bekommen. Das sind keine Selbstläufer – und ich freue mich bei jedem Projekt, wenn es klappt.“

Wir sprechen auch über die Entscheidungen der Deutschen Bahn, die seit Dezember konkrete Auswirkungen auf die Region haben. „Ich habe mich stark in Berlin dafür eingesetzt, dass die ICE-Halte in Wabern und Treysa erhalten bleiben. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Frequenz noch höher ist. Das war mit der Bahn leider nicht machbar.“

Nachdenklich fügt er hinzu: „Man kann politisch Druck aufbauen, doch die wirtschaftliche Entscheidung trifft die Bahn. Zur Politik gehört, sich für Projekte stark zu machen, es funktioniert meistens gut. Doch es gibt auch Fälle, in denen nicht alles gelingt.“

Bevor wir uns verabschieden, setzt er hinzu: „Ich bin trotz aller Unsicherheit positiv eingestimmt, was 2026 betrifft. Die politische Arbeit macht auch Spaß und für mich ist es eine Ehre, unsere Heimat in Berlin zu vertreten. Dann tun die langen Arbeitstage auch nicht weh. Im Gegenteil: Es ist motivierend.“

Text: Rainer Wälde

Kontakt: Wahlkreisbüro Dr. Philipp Rottwilm, MdB

Bahnhofstraße 36c

34582 Borken (Hessen)

https://www.philipp-rottwilm.de