Floristmeisterin Rosalie Bock aus Neukirchen möchte Landrätin werden.

Was kosten die Petunien?
Ich betrete ein wunderschönes Fachwerkhaus in der Neukirchner Altstadt. Auf den ersten Blick erzählt es innerlich nicht die typische Stadtgeschichte, sondern der Eintritt birgt wirkliche Besonderheiten: herrlicher Duft, Geschmack, Handwerk, Farbenpracht, man fühlt sofort Wohligkeit.
Ich bin im Blumenladen bei Landratskandidatin Rosalie Bock. Sie ist Magistratsmitglied, ebenso wie Floristmeisterin und kandidiert als eine von vier im Schwalm-Eder-Kreis als Landratskandidatin. Rosalie ist für mich besonders, sie kommt aber auch mutig und grundauf bewusst der Gesellschaft rüber.
In der ersten Interaktion merke ich direkt ihr Multitasking-Talent. Sie begrüßt mich sofort, während sie eine Kundin zu Ende bedient, mit ihr das Gespräch aufrecht erhält und ihrer Mitarbeiterin den genauen Preis für die Petunien im Topf zurufen kann. Sofort kommen wir uns näher.
Kaum einer weiß Bescheid vom Unternehmertum
„Ich kümmere mich gerne, ich möchte mit unserem Landkreis noch was erreichen.“, meint sie, „doch das Geschäft ist meine Basis, es ist das, woraus ich bin und es ist mein Herzblut würdig.“ Also ist ihre Liebe zum Geschäft, kombiniert mit dem Vollzeitjob als mögliche Landrätin, eine so weit schwerere Multitasking-Aufgabe als bis dato. Ihr Wille und ihr Charakter machen diese Aufgabe aber auch irgendwie noch passender für sie.
Rosalie Bock ist genauso wie ich in Neukirchen wohnhaft, woher man sich auch schon ein Stück weit kannte. Dennoch erlebe ich sie erstmals im Frage-Antwort-Format im Geschäft und merke wirklich menschennahe Details. Gerade in der Bedienung sehe ich der Frau an, dass sie ihren Kundinnen und Kunden nah und mit Liebe zu ihrem Handwerk entgegen tritt.
So würde ich mir die Idealität vorstellen, in der Politiker auf ihrem Gebiet ihren Aufgaben derart beflügelt nachkommen. „Die Politik, die mittlerweile auf Bundesebene stattfindet, weiß kaum noch Bescheid vom Unternehmertum. Ich würde schon sagen, dass es an dem etwas fehlt “ Sie führt fort: „Es fehlt ihnen das tägliche an die Arbeit gehen und sich durchkämpfen, wie ich es gerade für die Floristik vor Ort und Neukirchen auch tue.“
Der Frosch aus Porzellan
Immer mehr treffen Kunden mit verschiedenen Interessen ein, während ich die Frische des samten Bauholzes des Fachwerkbaus gemischt mit den verschiedensten bunten Blumen genieße. Ich latsche so umher und versuche meine Gefühlswelt der Geschmacks- und Geruchssinne innerlich zu beschreiben.
Es findet keinen Kontrast, aber ich sehe einen Frosch aus Porzellan als Deko zwischen blühenden Tulpenarten auf einem Tisch liegen. Der grüne Frosch liegt da, ein Blümchen im Mund, der wie auf einer Sommerwiese seine Zeit im grünen Gras genießt. Irgendwie finde ich mich wieder in diesem lieblichen, personifizierten Tier. Obwohl es draußen geregnet hat, kann ich meine innere Buntheit gerade nicht besser als diesen Frosch beschreiben.
Gerade sortiere ich meine Gedanken, sehe Frau Bock mit Geschick einen Blumenstrauß in Geschenkpapier einwickeln und frage mich: Hat sie sich auch so in der Art gefühlt, als sie das erste Mal ihren Laden betreten hat? Wenn es ähnlich war, wie wird es erneut sein, wenn sie das erste Mal wieder ein neues Arbeitsumfeld betritt. Vielleicht das Landratsamt?
Es lohn sich für den Pflanzenduft morgens aufzustehen
Ich werde neugierig und frage sie über ein ähnliches Thema, ob es sich eher lohnt, für den Pflanzenduft morgens aufzustehen oder für einen hohen Job im Büro. Ihre Antwort: „Noch ist das Geschäft die erste Priorität, aber wenn es nicht die Priorität wäre, jeden Tag ins Büro zu fahren, hätte man die Wahl falsch getroffen.“
Sie hat sich lange mit den Aufgaben beschäftigt und weiß es zu schätzen. Wenn sie das Amt erlangt, will sie mit aller Kraft dieses meistern und ihre Vorhaben durchsetzen. Ihre Hashtags: #füreinander #wir #gemeinsam.
Während ich so weiter im Hintergrund dem laufenden Laden zusehe, gewinne ich das Vertrauen, als wir, als füreinander, als gemeinsam. Nebenbei frage ich die Floristmeisterin, welche Blumen für sie auf keinen Fall als Willkommensgeschenk im Landratsamt zur Begrüßung liegen dürfen. „Egal, da dürfte alles da liegen. Ich mag alle Blumen.“
Rosalie Bocks Image
Diese Frage und die Antwort haben mir eine wichtige und deutliche Message über uns mitgegeben: Wenn ich jeden Tag mit demselben zu tun habe, selbe Menschen, täglich Blumen wässern oder Kunden empfangen. Das ist egal. Sie mag laut Aussage alle Blumen, obwohl es ihre tägliche Arbeit ist, von der Über Prozentig viele Menschen schlecht gelaunt nach Hause gehen.
Wenn du jeden Tag für Menschen Entscheidungen treffen musst, dann ist das auch definitiv ohne Hass möglich, wie es auch bei Blumen mit den hässlichsten Rotstichen der Fall ist. Man mag jeden auf seine Weise. Das ist für mich Rosalie Bocks Image aus meiner persönlichen Erfahrung und Wahrnehmung mit ihr. Sie kann das alles so meistern, so wirkt sie durchweg, auch selbstbewusst im Umgang und ihrer langjährigen Freude an der Arbeit.
Weiter zeigt sie mir ihre Arbeit und ich lerne dazu. Schlussendlich frage ich sie nach 40 Minuten, wie sie auf ihre Klamottenwahl beim Wahlplakat kam. Sie lacht wieder: „Ich hatte ein Strickpullover an und wollte Kontrast mit schwarzer Lederjacke schaffen.“
Erst kam mir die Antwort unseriös vor, vielleicht so daher gesagt, aber Kontraste schaffen ist ja auch ein großer Teil ihres Handwerks. Also warte ich gespannt auf meinen bestellten Blumenstrauß für 20€ in herbstlichen Farben für den 85. Geburtstag meiner Großtante. Ich hatte ihn spontan in Auftrag gegeben. Kurz darauf erhalte ich ein tolles Exemplar mit grellem Orange abgerundet in Karmesinrot an saftgrünen Stielen.
Die Outfit Geschichte war nicht so daher gesagt. Ich verlasse ihr Geschäft mit einer Freude für einen anderen Menschen und auch dem Wissen, dass sie Ihre Wahl sein kann.
Der Autor Paul Naske (15) ist Schüler an der Melanchton-Schule Steinatal.