Vom Klassenzimmer in die Landespolitik

Mark Weinmeister ist einer von hier. Als Regierungspräsident vertritt er die Nordhessen in Wiesbaden.

Mark Weinmeister
Foto: RP Kassel/Christian Schauderna

Das Hobby zum Beruf machen

„Ich hatte Glück mein Hobby zum Beruf zu machen“, erklärt Mark Weinmeister und erzählt, wie er in den letzten 40 Jahren das Vertrauen von Menschen gewonnen hat. „Mein Weg begann als Gemeindevertreter, dann wurde ich in den Kreistag Schwalm-Eder gewählt. 1999 in den Hessischen Landtag.“

Der Weg in die Politik sei nicht geplant gewesen, so Weinmeister. Nach dem Lehramtsstudium in Göttingen war er an den Gesamtschulen in Gudensberg und Melsungen tätig. Doch mit der Wahl ins Parlament ging dieser Weg zu Ende.

2009 wird Weinmeister Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Fünf Jahre später ernennt ihn Volker Bouffier zum Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten.

Eine besondere Verbindung zu Nordhessen

Doch die besondere Verbindung zu Nordhessen bleibt erhalten. Weinmeister, der 1967 in Kassel geboren wurde, bleibt die ganzen Jahre eng mit der Region verbunden und lebt bis heute in Guxhagen.

Doch wie wird man eigentlich Regierungspräsident? Mark Weinmeister schmunzelt einen kurzen Moment: „Man wird vom Ministerpräsidenten berufen. Doch das Amt ist
auch janusköpfig.“

Wir machen einen kleinen Ausflug in die Mythologie. Janus war der römische Gott der Anfänge und der Übergänge. Seine Rolle wurde mit zwei Gesichtern abgebildet, die in entgegengesetzte Richtungen blicken. Auf Weinmeister übertragen: Eines nach Wiesbaden und eines nach Kassel.

„Ich bin Teil der Hessischen Landesregierung und habe auf der einen Seite die Vorgaben des Landtages und der Regierung auszuführen. Auf der anderen Seite verstehe ich mich als Advokat für die Region, vertrete die Interessen von Nordhessen in Wiesbaden.“

Jubiläumsveranstaltung zur Homberger Synode – Foto: EKKW/Christian Schauderna

Da ist einer, der kümmert sich um uns

Er greift seine Kaffeetasse: „Ich bin viel in der Region unterwegs, um Gespräche in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu führen. Mir ist es wichtig, dass die Menschen erleben: Da ist einer, der kümmert sich um uns. Der sagt in Wiesbaden, wo bei uns in Nordhessen der Schuh klemmt.“

Wir sprechen über seinen Vorgänger Dr. Walter Lübcke, der sich auch als Vertreter für nordhessische Interessen verstand und klare Worte dafür fand. „Walter war viele Jahre ein enger Freund von mir. Wir sind 1999 gemeinsam in den Landtag gekommen, oft gemeinsam nach Wiesbaden und zurück nach Kassel gefahren. Als er Regierungspräsident wurde, kam meine Ernennung zum Staatssekretär. Neben der Politik haben wir uns auch privat gut verstanden und gemeinsam unsere Geburtstage gefeiert.“

Im Sommer 2019 wurde Dr. Walter Lübcke vor seinem Wohnhaus in Istha ermordet. Es war ein Schock für Millionen von Deutschen. „Direkt nach seinem Tod wäre es mir nicht möglich gewesen, die Arbeit meines Freundes in Kassel fortzuführen. Ich brauchte erst einmal Abstand und Zeit, um selbst zu trauern.“

Nordhessen auf die Agenda setzen

Nach drei Jahren ist Weinmeister bereit, das Amt fortzuführen. „Als Nordhessen müssen wir darauf achten, dass wir in Wiesbaden nicht aus dem Fokus geraten. Je weiter man von dem Machtzentrum entfernt ist, desto weiter ist mitunter auch die Aufmerksamkeit weg.“

Er grinst kurz, dann sagt er: „Mein Job ist es, Nordhessen regelmäßig auf die Agenda zu setzen.“ Als Chef von 1.800 Mitarbeitern in Kassel muss er die Verwaltung aufrecht halten. „Ich will Menschen aus der Region helfen, die etwas bauen wollen. Wir wollen, dass es voran geht in der Region.“

Damit dies gelingt hat er feste Termine mit dem Innenminister und dessen Staatsekretär, aber auch laufend Austausch mit den Fachministerien etwa zu Themen wie Landwirtschaft, Wasser, Abfall, Regionalplanung und Soziales. Es gibt auch hoheitliche Aufgaben, die er mit seinem Team zu erfüllen hat: So ist das Regierungspräsidium Kassel mit seiner Zentralen Bußgeldstelle für ganz Hessen zuständig.

Foto: RP Kassel/Christian Schauderna

Ist er als Politiker vorsichtiger geworden?

Ich frage Mark Weinmeister, ob sich sein Verhalten nach dem Mord an Walter Lübcke geändert hat? Ist er als Politiker vorsichtiger geworden? „Ich glaube, wir brauchen keine Angst zu haben. Mir ist es wichtig in einer demokratischen und offenen Gesellschaft zu leben. Natürlich nehme ich auch das Auseinanderdriften wahr. Die Empörungswellen werden stärker.“

Er blickt zum Fenster hinaus, dann sagt er: „Meine Aufgabe ist es Menschen zusammen zu führen. Ich will sie nicht polarisieren, sondern mit ihnen gemeinsame Nenner finden. Das Verbindende stärken und gemeinsamen Konsens herausarbeiten.

Seine Augen leuchten, als Mark Weinmeister von seiner Jugend in Guxhagen berichtet: „Ich war ein Kirchenjunge, habe sonntags den evangelischen Pfarrer unterstützt und zum Beispiel die Lieder angeschlagen. Auch unser Jugenddiakon hat mich sehr geprägt. Durch ihn und das Vorbild meiner Eltern habe ich meinen Weg zu Gott gefunden.“

Was meinem Leben Halt gibt

Er hält einen kurzen Moment inne: „Ich sage gerne offen, was meinem Leben Halt gibt. Es ist mein christlicher Glaube, der mich auch in schweren Situationen trägt.“

Wir sprechen über die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, die in ganz Deutschland stark zu spüren sind. „Nordosthessen war während der deutschen Teilung sogenanntes „Zonenrandgebiet“, dadurch fehlte die Verbindung nach Osten. Als Land am Rand war es für Nordosthessen besonders schwierig.“

Weinmeister berichtet, wie die Region seit der Wende stark aufgeholt hat und in einigen Branchen sich als Spitzenreiter in Europa aufgestellt hat. „Wir leben von der Automobilindustrie, Continental in Korbach, VW in Baunatal. Mir ist es wichtig, dass wir mit neuen Ideen die Transformation schaffen, auch in der Digitalisierung.“

Zum Schluss frage ich ihn, ob er einen Lieblingsort in Nordhessen hat. „Ich mag Orte mit Weitblick, wo ich Überblick habe. So wie auf dem Herkules in Kassel oder auf dem Heiligenberg, wenn ich weit ins Edertal schauen kann.“

Text: Rainer Wälde

Weitere Informationen: Regierungspräsidium Kassel