Ihre Bilder berühren die Seele

Barbara Schneider fotografiert seit mehr als 20 Jahren in Wasenberg.

Foto: Marc Fippel

Für ein gutes Foto auch Pferde stehlen

Unsere erste Begegnung geschieht bei Instagram: Ich sehe Barbaras Bilder und weiß, das ist die Frau, mit der ich ein Foto-Shooting machen will. Nach dem ersten Kontakt über Instagram geht es ganz schnell.

Wir verabreden uns auf einer sommerlichen Wiese oberhalb von Wasenberg. Ich habe meinen neuen hellblauen Anzug an, will neue Fotos für meine Webseite als Roman-Autor. Barbaras Augen mustern mein Outfit: „Wow, dass gefällt mir. Gerne mit deinem Hut.“

Wir laufen gemeinsam über einen staubigen Feldweg. Fototasche und Holzstuhl in der Hand, dazu eine Wäscheleine und zwei weiße Vorhänge, die ich mir als Hingucker gewünscht habe.

Barbara ist eine Frau, mit der man für ein gutes Foto auch Pferde stehlen kann, denke ich. Im schicken Anzug halte ich den Holzstuhl fest, damit sie am Baum die Wäscheleine befestigen kann. Das Making-Off ist manchmal genauso eindrücklich wie die fertigen Bilder.

Schnell entsteht zwischen uns Vertrauen, es spielt keine Rolle, dass wir uns erst seit wenigen Minuten kennen: „Wenn keiner eine Rolle spielen muss, entstehen echte Fotos“, erklärt die gelernte Fotografin.

Alle Fotos: Barbara Schneider

Wenn sich die Seele eines Menschen öffnet

Barbara Scheider gibt knappe Regie-Anweisungen. Sie bleibt im Dialog und ist gleichzeitig auf dem Sprung, um authentische Business-Fotos zu machen. Schnell läuft sie über die Wiese, ändert die Deko und den Bildwinkel. Sie motiviert, bleibt dran. Als Kunde fühle ich mich sicher, bin gleichzeitig neugierig auf die fertigen Bilder.

Nach dem Shooting verabreden wir uns noch einmal für dieses Interview. „Etliche Kunden gewinne ich durch Instagram“, erzählt Barbara Schneider. „Es gibt Momente des Vertrauens, wenn sich die Seele eines Menschen öffnet.“

Seit 2005 ist sie selbständig, hat zuvor eine Lehre in Alsfeld gemacht, geheiratet und wohnt in einer zum Wohnhaus umgebauten Scheune mit Atelier zusammen mit ihrer Familie, zwei großen Kindern und Hund. „In meinem ersten Berufsleben war ich Erzieherin. Doch aus diesem Job wollte ich schnell wieder raus.“

Es ist einer dieser Zufälle, der ihr Leben bestimmt und auch die Kunden zu ihr bringt. „Die Fotografie ist mir zugefallen, eigentlich wollte ich in Kassel Grafikdesign studieren. In meiner Mappe für die Aufnahmeprüfung waren etliche Fotos. Doch es hat nicht gepasst, ich wurde nicht angenommen und gehörte dort auch nicht hin.“

Intuition und Gefühl

Vielleicht sollte es so sein, damit sie ihre eigentliche Berufung finden konnte. „Mit Freunden hatte ich mir einige Male die Fotos eines tollen Fotografen in Alsfeld angesehen. Dort habe ich dann zuerst ein Praktikum gemacht. Schnell wusste ich: Hier bin ich richtig.“

Sie erzählt vom Alltag in einem Familienbetrieb: „Ich konnte prinzipiell sehr frei arbeiten und die Kundentermine nach meiner Vorstellung gestalten.“ Trotzdem wird schnell klar, der Beruf passt – allerdings nicht als Angestellte.

Sie gründet eine „Ich AG“ und macht sich selbständig. Ich frage Barbara, wie sie ihren typischen Stil gefunden hat. Sie zögert einen Moment: „Ich weiß, dass ich meinen Stil gefunden habe, aber wann oder wie, kann ich nicht sagen“

Wir betrachten einige Fotos, die sie für einen Kunden gemacht hat: „Die Art, wie ich Menschen vor meiner Kamera wahrnehme, entsteht aus Intuition und Gefühl – ein Rezept gibt es dafür nicht.“

Eine Landhochzeit im Gutshof

Ich frage Barbara nach ihren Fotografenvorbildern: „Mich inspiriert der Stil von Maley Photo, aber auch Riccardo Fasoli von Kreativ Wedding und Katarina Fedora aus München beeindrucken mich.“ Alle drei findet man auch bei Instagram.

Wir sprechen über ihre Wunschkunden. „Ich habe das Glück, von den Menschen gefunden zu werden, zu denen ich passe. Und ich bin gerne mit Menschen zusammen, wo die Werte und das Zwischenmenschliche stimmt, wo Wertschätzung und Respekt gegeben ist.“

Ein zentraler Punkt ist für sie das gegenseitige Vertrauen, damit Fotos entstehen, die Echtheit ausstrahlen. Sie erzählt mir von den aktuellen Projekten: Sommerliche Shootings auf der Wiese, eine Landhochzeit im Gutshof. „Ich fotografiere gerne draußen, da ich selbst gerne in der Natur bin.“

„Ich liebe Hochzeiten, auch wenn es richtig anstrengend sein kann, 10 Stunden die Aufmerksamkeit und Energie hochzuhalten. Doch ich bekomme auch immer sehr persönliche Einblicke und darf an wunderschönen Festen teilnehmen. Das sind kostbare und intime Momente.“

Donuts & Menschen

Für eine Bäckerei fotografiert Barbara regelmäßig auch Backwaren und die Mitarbeiter im Betrieb. Das ist ein Teil ihrer Business-Fotografie: „Als Fotografin muss ich spüren, ob ich mit dem Kunden locker umgehen kann. Nur wenn das gegeben ist, kann er sich auch vor der Kamera nahbar zeigen.“

Gute Fotos entstehen dann, wenn der Kunde aus seiner Rolle herauskommt und die Unsicherheiten, die vor der Kamera entstehen können, ablegen kann.

Wir sprechen darüber, wann ein Bild gelungen ist. „Das Bild muss den Betrachter emotional berühren, es muss etwas in ihm auslösen. Das gilt auch für Businessfotos.“

Foto: Marc Fippel

Ich liebe die Weite von Nordhessen

„Ich liebe lockere Sprüche, um mein Gegenüber aus der Reserve zu locken“, berichtet sie schmunzelnd, „damit mein Gegenüber sich öffnen kann und sich zeigen kann, wie er ist.“

Barbara Scheider ist in Obergrenzebach aufgewachsen. „Eigentlich wollte ich nicht hier bleiben und war kurz vor dem Absprung nach München, doch dann habe ich mich verliebt und bin hier geblieben.“

Sie liebt ihre Heimat Nordhessen, auch wenn sie die hohen Berge vermisst: „Vor allem wenn ich zu Fuß hochlaufen muss, weil es keine Gondel gibt. Ich liebe die Natur, die Luft und auch die Weite von Nordhessen.“

Text: Rainer Wälde

Weitere Informationen: Barbara Schneider Photographie