An diesem Wochenende feiert Homberg/Efze 500 Jahre Reformation in Hessen. Es ist der Auftakt zu einem Jubiläumsjahr mit 118 Veranstaltungen.

Landgraf Philipp beweist Mut
„Landgraf Philipp“ steht mit seiner Frau am Eingang und begrüßt die Gäste zu einem Festakt. Rund 200 Besucher aus Nordhessen sind am Samstagnachmittag in die Homberger Stadtkirche gekommen. Die Hessenschau hat ein Fernsehteam geschickt, um für die Abendnachrichten zu berichten.
Auch wenn die Evangelische Kirche in Nordhessen immer noch „Marktführer“ ist, erklärt der Festredner Dr. Mario Fischer, dass sich der Wind in Europa gedreht hat. „Evangelisch sein heißt heute Minderheit sein“, erklärt der aus Wien angereiste Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Bei 8% liegt aktuell der Anteil der evangelischen Christen in Europa.
„Wird Europa auseinander brechen“, fragt Fischer und gibt gleich die Antwort: „Ja, aber nicht gleich.“ In schneller Folge erklärt der Theologe, wie Kriege, Brexit und Corona den Kontinent gesellschaftlich durchschütteln. Es ist höchste Zeit, um sich an die erste Synode 1526 in Homberg zu erinnern.

Die Schwarm-Intelligenz der Synode
Die Tagung im Oktober 1526 war ein entscheidender Wendepunkt für die Reformation in Hessen. Landgraf Philipp berief diese Versammlung in Homberg ein, um die kirchlichen Verhältnisse in seinem Territorium offiziell neu zu ordnen.
Unter der Leitung des ehemaligen Franziskaners Franz Lambert von Avignon erarbeiteten die Teilnehmer die sogenannte Reformatio ecclesiarum Hassiae (Hessische Kirchenordnung). Das Ziel: Die Einführung einer presbyterianisch-demokratischen Kirchenstruktur. Die Gemeinden sollten sich weitgehend selbst verwalten und ihre Pfarrer selbst wählen können.
Beim Festakt in Homberg am 21. Februar 2026 wurde von der Schwarm-Intelligenz einer Synode gesprochen. Doch historisch fehlte vor 500 Jahren erst einmal die Durchschlagskraft. Obwohl die Synode die neue Ordnung verabschiedete, wurde sie nie vollständig umgesetzt. Martin Luther riet dem Landgrafen zur Vorsicht, da er das Konzept für zu radikal hielt und befürchtete, die Menschen seien noch nicht reif für so viel Mitbestimmung.

Stehen wir noch auf der Basis des Evangeliums?
Dialog heißt das gesellschaftliche Zauberwort nicht nur im Wahlkampf. Es wurde auchbei der Jubiläumsfeier mehrfach gewählt. Beate Hofmann spitzte die Herausforderungen auf die Frage zu: „Stehen wir noch auf der Basis des Evangeliums?“
Die Bischöfe der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck fragte konkret: „Hören wir Gott und sein Wort? Denn das ist der reformatorische Auftrag.“ Sie betont auch die christliche Freiheit, die zu einer gemeinsame Verantwortung für ein gutes gesellschaftliches Miteinander führe.
Während neben der Bischöfin die Sonne in den Altarraum strahlte, wurde auch das Glasfenster hervorgehoben, auf dem an die historische Synode 1526 erinnert wird.

Was hat Homberg heute zu sagen?
„Kirche gestaltet sich durch das Hören auf Gottes Wort“, erklärt Beate Hofmann. „Sie entsteht durch freie Rede, Leitung durch gemeinsame Verantwortung.“
Als Zuhörer versuche ich in dem zweistündigen Programm herauszufiltern, was die Homberger Synode vor 500 Jahren heute noch zu sagen hat. „Es braucht keine Priester, keine Mittler mehr, sondern jeder Mensch kann sich direkt an Gott wenden“, erklärt Mario Fischer. Die erste Synode habe den Menschen den Weg gebahnt, um zu mündigen Christen zu werden, selbst in der Bibel zu lesen.
Er ermutigt zu einer „Theologie der Einstreuung in die Gesellschaft als Ackerfeld Gottes.“ Nach seiner Beobachtung hat die Synode nicht nur das Seelenheil der Menschen gefördert, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhang gestärkt. Auch er weist auf „die befreiende Kraft des Evangeliums“ hin.

Begegnen. Gestalten. Erneuern.
Zum Schluss wird das Jubiläumsmagazin verteilt mit dem Motto: „Begegnen. Gestalten. Erneuern.“ Darin werden mit interessanten Fachbeiträgen einige Beispiele zur Reformation 2026 vorgestellt. Darunter auch ein neues Konzept zur medizinischen Versorgung in der Region um den Knüll.
Ich bin sehr gespannt, welche Akzente die 118 Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr setzen werden. Es ist sehr viel Kultur geplant, Konzerte, Lesungen und Exkursionen bis zum 31. Oktober.
Ein Übersicht aller Veranstaltungen gibt es unter https://www.synode500.de
Text & Fotos: Rainer Wälde